Komplexe Technologie erfordert klare Begrifflichkeiten. ColorGATE-CEO Thomas Kirschner erklärt, warum im digitalen Farbmanagement Kalibrierung und Charakterisierung unterschieden werden müssen.

Die Charakterisierung der Maschine in der Software

Im letzten Artikel haben wir uns mit dem Thema Kalibrierung beschäftigt. Oder besser gesagt: mit der Maschinenkalibrierung. Sie erinnern sich vielleicht, dass wir die folgende begriffliche Differenzierung eingeführt haben:

  • Die Kalibrierung ist vor allem Hardware-bezogen und stellt die Farbdifferenzierungsmöglichkeiten der Druckmaschine grundsätzlich sicher
  • Die Charakterisierung dient dazu, die Einstellungen der datenliefernden (RIP-)Software auf die Eigenschaften der Druckmaschine abzustimmen.

Zwischen zwei Welten: die Linearisierung in der Software

Was bedeutet diese Unterscheidung für die Linearisierung, die Sie in der datengebenden Software erstellen können? Die Linearisierung hat eine Sonderrolle zwischen Kalibrierung und Charakterisierung, denn sie steht gewissermaßen zwischen den Welten: einerseits ist sie bereits auf der Software-Seite verortet, andererseits dient sie den gleichen Zielen wie die vorhergehende Maschinenkalibrierung – dem Sicherstellen der Farbdifferenzierungsmöglichkeiten des Druckers.

Bei der Linearisierung wird eine Testform, das sogenannte Target, mit Abstufungen der Primärfarben gedruckt und wieder eingemessen. Anhand dieses Targets ist es möglich, den Punkt zu bestimmen, an dem bei einer Farbe kein Dichtezuwachs mehr zu erkennen ist. Diese kann als neuer hundertprozentiger Farbauftrag festgelegt werden. Anhand eines Algorithmus wird eine Korrekturkurve berechnet, die den Farbauftrag für die Abstufungen der Primärfarben neu verteilt, so dass ein linearer Tonwertzuwachs gewährleistet ist.

Auftritt des Dirigenten: Software und Hardware aufeinander abstimmen

Um beim Bild des vorigen Artikels zu bleiben: die Druckmaschine ist nun gestimmt und bereit, “Musik zu machen”. Kommen wir nun zur Charakterisierung des Drucksystems. Nachdem wir im ersten Schritt dafür gesorgt haben, dass die Farbdifferenzierungsmöglichkeiten unseres Drucksystems generell sichergestellt sind, geht es nun darum, die Einstellungen unserer datengebenden (RIP-)Software korrekt auf die Eigenschaften des Druckers abzustimmen.

Die Charakterisierung des Drucksystems erfolgt durch die Profilierung, also die Erstellung eines ICC-Profils. Der Begriff der Profilierung wird oft und gerne mit der Kalibrierung eines Drucksystems vermischt. Dabei ist die Kalibrierung vielmehr die Voraussetzung für die Erstellung eines hochwertigen ICC-Profils – je linearer eine Druckmaschine druckt, desto genauer kann uns das ICC-Profil Auskunft über seinen Farbraum geben.

Denn genau das tut das ICC-Profil: es ermöglicht uns, Aussagen über den Farbraum des Druckers, z.B. über das tiefste mögliche Schwarz, über die Grautöne, lichte Töne, gesättigte Töne usw., zu treffen. Ein Profil ist keine Farbkorrektur, sondern eine Art Übersetzungstabelle, die uns Datenpaare aus Lab-Werten und Ausgabefarbwerten der Druckmaschine liefert. Es bildet somit die Ist-Färbung je digitaler Datenkombination ab. Eine druckdatengenerierende Software, z.B. der ColorGATE Productionserver, kann anhand dieser Nachschlagetabelle die Farbwerte aus einem in eine Datei eingebetteten Eingangsfarbraum in den Ausgabefarbraum des Druckers konvertieren.

Es ist wichtig anzumerken, dass diese Übersetzung von einem Eingabe- in einen Ausgabefarbraum nur funktioniert, solange alle Parameter und Prozesse, die Einfluss auf die Farbe haben, unverändert bleiben. Denn ein Profil bildet eine Kombination aus Druckprozess, Tinte, Medium und anderen Prozessparametern, die die Farbgebung beeinflussen können, ab. Je nach Branche können das z.B. Brennkurven in der Keramikindustrie oder Trocknertemperaturen beim Textildruck sein. Ändern sich diese Parameter, ist theoretisch eine Neuprofilierung notwendig, die Software und Hardware wieder korrekt aufeinander abstimmt. Genauso wie die Maschinenkalibrierung erneut durchgeführt werden muss, wenn z.B. ein Druckkopf ausgetauscht wurde, stellt auch die Charakterisierung des Systems in der Software eine Momentaufnahme dar. Selbst wenn Sie keine bewussten Änderungen an der Konfiguration Ihres Druckers vornehmen, ändert sich der Charakter des Drucksystems mit der Zeit, was zu Farbabweichungen führen kann.

Eine Lösung, um die allzuhäufige Erstellung von Farbprofilen zu umgehen, bietet Ihnen z.B. ColorGATEs Media Device Synchronization (MDS): diese ermöglicht es Ihnen, in der Software einen Referenzzustand zu definieren. Wenn Sie später farbliche Abweichungen feststellen, können Sie mit der MDS eine Korrektur berechnen, mit der sie gewissermaßen softwareseitig den Referenzzustand des Druckers wiederherstellen können. Dadurch ist gewährleistet, dass sie beim Drucken auf demselben Material jederzeit identische Ergebnisse reproduzieren können.