Warum Trocknungszeiten beim Linearisieren und Profilieren so wichtig sind

Zeit ist Geld. Und wenn man sich mitten in der Produktion befindet und Targets zum Linearisieren oder Profilieren erstellt, gerät wohl jeder von uns mal in die Versuchung, das Target vor dem Einmessen nicht ganz so gründlich trocknen zu lassen.

Doch was dann passieren kann, sieht man in der folgenden Animation der Farbauszüge:

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Was ist passiert?

Hier wurde für ein sehr schnell trocknendes Proof-Material eine MIM (Media-Ink-Metamode) erstellt. Das entsprechende Profilierungstarget wurde etwa zehn Minuten nach dem Druck vermessen. Anschließend wurden die Parameter für das ICC-Profil gespeichert, um eine genaue Wiederholung der Profilierung mit den identischen Parametern möglich zu machen.

Als nächstes wurde die MIM kopiert. Doch wie es im Alltag oft so ist, schlossen sich erst zwei Tassen Kaffee, eine Mittagspause und einige andere dringende Tätigkeiten an, bevor mit der vorher kopierten MIM die Messung des Targets und die anschließende ICC-Profilierung wiederholt wurde.

Das Ergebnis ist in der Animation oben klar zu sehen: Der Magenta- und Gelbauszug hat sich deutlich verändert, während die Abweichung im Cyan wesentlich geringer ausfällt. Und bevor kritische Stimmen laut werden: Nein, die Messung wurde nicht mit einem Handgerät durchgeführt, sondern mit einem automatischen Spektralfotometer mit Scantisch. Dabei wurde die Position des Targets auf dem Scantisch exakt beibehalten und es wurde auch kein Kaffee über Spektralfotometer und Target ausgegossen.

Trotzdem lässt sich der Unterschied zwischen beiden Ergebnissen klar erkennen. In manchen Bereichen ändert sich die Charakteristik der Separationen deutlich.

Folgen für die produkte

Wenn es dabei nur um den Ausdruck guter Fotos auf hochwertigem, PE-beschichtetem Inkjetpapier geht, ist dieser Unterschied nicht relevant, beide Ausdrucke sind gut.
Sollte es sich jedoch zum Beispiel um eine Dekorproduktion handeln, bei der tatsächliche Muster mit aktueller Produktion kritisch verglichen werden, kann der Unterschied schon gravierende Auswirkungen haben.

Und handelt es sich um einen Proof, dessen Kontrollkeil nach dem Druck ausgemessen wird, lauern ernste Probleme im Hintergrund. Vorausgesetzt, die Messung für die Profilierung und die Messung des Kontrollkeils finden immer im selben Zeitrahmen statt, so ist jedes Mal ein gutes Ergebnis der Auswertung zu erwarten. Wird der Kontrollkeil des Proofs jedoch nach einiger Zeit – vielleicht Tage oder Wochen – noch einmal vermessen, so addieren sich die Trocknungseffekte zu den ohnehin auftretenden Schwankungen zwischen den einzelnen Messungen des Kontrollkeils. Und plötzlich wird aus einem guten Proof ein unbrauchbarer Proof.

Trocknungszeiten beachten – Qualität erhalten

Wie sich die Trocknungszeit auswirkt, ist natürlich sehr stark vom bedruckten Substrat abhängig. Wird, wie in unserem Beispiel, ein sehr hochwertiges, PE-beschichtetes, semimattes oder glänzendes Proofpapier verwendet, wird das Trocknungsverhalten meistens wesentlich besser sein als auf einem matten Papier, auf dem die Tinte „wegschlägt“, also vom Träger aufgesaugt wird. Auf solchen Papieren sind bei der Linearisierung bzw. Profilierung lange Trocknungszeiten vor der Targetmessung äußerst sinnvoll und dringend angeraten.

Unter echten Produktionsbedingungen können zuweilen sogar extrem lange Trocknungszeiten vor der Vermessung der Targets notwendig sein, um konsistente ICC-Profile zu erhalten. Es ist nicht ungewöhnlich, Unterschiede zwischen Drucken mit 48 und 72 Stunden Trocknungszeit zu sehen. Diese Unterschiede werden dann im Laufe der Zeit immer geringer (falls das nicht so ist, liegen unter Umständen andere Probleme vor).

Bei den Trocknungszeiten von Targets zum Linearisieren oder Profilieren an Zeit zu sparen, spart also nicht immer Geld, sondern kann im Gegenteil zu Produktionsfehlern und damit höheren Kosten führen. Stattdessen sollten die Trocknungszeiten immer gut bedacht werden, damit man zuverlässige Ergebnisse erhält.

Falls Sie dazu noch Fragen haben oder Unterstützung benötigen, wenden Sie sich gerne an uns unter contact@colorgate.com.

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg beim Profilieren und Linearisieren!

 

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