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DTF - Digital Transfer Film oder auch Direct-To-Film: Die Innovation im Textildruck

Geschrieben von Anke Mittmann | 01.03.2022 11:45:29

DTF – dieser Begriff ist in der Textilveredelungsbranche momentan in aller Munde und gilt als Innovation im Textildruck. Und natürlich unterstützt auch ColorGATE Productionserver diese Drucktechnik. Doch was ist DTF eigentlich?

Beim „Digital Transfer Film“ drucken Sie Motive nicht mehr auf die Textilien selber, sondern auf Transferfolien. Nach dem Druckvorgang werden die Transfers rückwärtig mit einem Schmelzkleber beschichtet, der angeschmolzen wird. Wenn dann später der Transferdruck auf das Textil übertragen werden soll, wird nur noch eine Heizpresse benötigt.

Dieses Verfahren bietet zahlreiche Vorteile:

  • Eine Vorbehandlung der Textilien ist nicht mehr nötig.
  • Druck und Transfer auf das Material können direkt nacheinander erfolgen. Die Transferfolien können aber auch bequem im Vorfeld bedruckt, gelagert und dann bei Bedarf per einfacher Heizpresse auf den Stoff übertragen werden. Somit ist das Verfahren ideal für den mobilen Einsatz, z.B. auf Festivals.
  • Da auf Folie und nicht auf Stoff gedruckt wird, wird wesentlich weniger weiße Tinte benötigt.
  • DTF ist für helle, farbige und insbesondere dunkle Materialien bestens geeignet (z.B. Baumwolle, Polyester, Mischgewebe, Elasthan, Nylon, Leder).
  • Ein aufwendiges Entgittern wie bei anderen Transferverfahren entfällt.
  • Sowohl einzelne Drucke (Blattware) als auch große Auflagen (Rollenmaterial) sind ohne Weiteres möglich.
  • Die Drucke zeichnen sich durch sehr hohe Waschbeständigkeit bis 60°C, hervorragende Dehnbarkeit und außergewöhnliche Strapazierfähigkeit aus.

Und was benötigen Sie für DTF?

Sie können für DTF-Drucke problemlos Ihren bereits vorhandenen DTG-Drucker verwenden, wenn bei diesem die Layering-Reihenfolge C -> W möglich ist. Zusammen mit ColorGATE Productionserver ergibt das ein leistungsstarkes DTF-Drucksystem. ColorGATE unterstützt ab Productionserver Version 21.10 neben Ricoh Ri 1000 und Ricoh Ri 2000 auch Brother GTX-422, Brother GTXpro und Epson SureColor SC-F2100 für DTF-Drucke. Diese müssen lediglich mit den üblichen Textiltinten bestückt sein.

Die weiteren Anschaffungen sind äußerst übersichtlich: Benötigt werden geeignete Trägerfolien und der entsprechende Schmelzkleber, die Sie auch bequem im ColorGATE-Shop beziehen können: https://shop.colorgate.com/de/verbrauchsmaterialien/cg-dtf. Ansonsten brauchen Sie nur eine simple Heizpresse und optional einen Heizofen oder einen Tunneltrockner.

TIP: Wir haben auch ein Video-Tutorial für DTF. Schauen Sie dich das Video hier an.

Und dann kann es losgehen:

  1. Im ersten Schritt findet der RIP-Prozess im Productionserver statt. Hierfür müssen im Vorfeld einige wenige Einstellungen vorgenommen werden:
    - Aktivieren Sie in den Auftragseinstellungen (oder den Hotfoldereinstellungen) > Tab „Auftrag“ die Option „Ausgabe spiegeln“, damit das Motiv später seitenrichtig auf dem Material erscheint.



    - Da bei DTF die Trägerfolie deutlich weniger Tinte aufnimmt als Textilien, muss die Weißdeckung reduziert werden.
    Diesen Schritt haben wir Ihnen bereits abgenommen und stellen Ihnen passgenaue MIM’s für Ricoh Ri 1000 (MIM’s für weitere Druckertreiber werden in Kürze folgen) und optimiert für die im ColorGATE Shop angebotenen Trägerfolien zur Verfügung. Laden Sie sich diese am besten im ColorGATE Service & Support-Bereich herunter und importieren sie in Productionserver. Alle Werte für die Profilierung und Linearisierung sind dann bereits optimal eingestellt. Es müssen keine weiteren Einstellungen in Productionserver vorgenommen werden und Sie können direkt mit dem Drucken des Motivs auf die Trägerfolie (Schritt 2) weitermachen.

    Nur wenn für Ihr System keine DTF-MIM zur Verfügung steht und Sie deshalb eine Standard-DTG-MIM verwenden, oder wenn Sie eine andere Trägerfolie benutzen oder Sie die Weißabdeckung manuell nachjustieren möchten, nehmen Sie folgende weitere Einstellungen im Productionserver vor:
    - In den Erweiterte Auftragseinstellungen > Tab „Druckmodus“ stellen Sie für die Spezialfarbe „Weiß“ die „Intensität“ auf 80-85%. Damit wird die Weißdeckung etwas reduziert. Bei Bedarf können Sie diesen Wert noch individuell variieren.
    - Verringern Sie den Wert für „Erweitern/Verkleinern“ auf -2. Dieser steht im Zusammenhang mit der Druckerkalibrierung, ist aber zudem abhängig von der verwendeten Folie, so dass auch hier ggf. weiter nachjustiert werden kann.
    - Wechseln Sie anschließend noch das Layering auf „C -> W“, so dass erst der Farb-, dann der Weißauftrag erfolgt.

  1. Nun wird das Motiv auf die Trägerfolie gedruckt:
    HINWEIS: Falls Sie eine andere als die von ColorGATE angebotene Folie verwenden, beachten Sie bitte die Hersteller-Angaben zum Bedrucken, Trocknen und Transferieren der Folie.

    - Stellen Sie die Druckplatte so ein, dass der Abstand zwischen Platte und Druckkopf möglichst gering ist.
    - Legen Sie die Folie auf die Druckplatte und achten Sie darauf, dass die bedruckbare Seite („print side“) nach oben zeigt und die Folie auf der Platte fixiert ist (z.B. mit Klebestreifen, Klammern oder einer rutschfesten Unterlage).
    Beim anschließenden Druck werden erst die CMYK-Farben und direkt danach eine weiße Deckschicht aufgetragen.

    TIP: Bei kleineren Motiven können selbstverständlich auch mehrere Grafiken auf eine Folie gedruckt (z.B. platzsparend über die Container-Funktion) und später einzeln ausgeschnitten und auf den Stoff übertragen werden.

  2. Im nächsten Schritt wird der Schmelzkleber auf der noch feuchten Tinte verteilt:
    Legen Sie dazu die bedruckte Folie in einen ausreichend großen Plastikbehälter und streuen Sie das Klebepulver gleichmäßig auf das Motiv. Verteilen Sie das Pulver durch Hin- und Herbewegen auf dem Motiv und schütteln Sie die Folie anschließend leicht aus, um überschüssiges Pulver zu entfernen.
    TIP: Zuviel Pulver auf nicht-bedruckten Bereichen können Sie zusätzlich mit einem Pinsel wegbürsten. Das überschüssige Pulver kann problemlos wiederverwendet werden.

  3. Der mit dem Klebepulver bestäubte Druck wird nun erhitzt. Dabei geliert der Kleber und verschmilzt mit der Tinte. Am besten nutzen Sie hierfür einen Trockenofen oder einen Tunneltrockner und erwärmen die Folie darin bei 160-170°C für 1-2 Minuten.

    Falls Sie keinen Tunneltrockner oder Trockenofen zur Verfügung haben, können Sie eine Heizpresse zum Erhitzen der Transferfolie verwenden: Legen Sie die Folie in die Heizpresse, schließen diese aber nicht komplett, sondern lassen ca. 0,5 cm Abstand zwischen oberer Presse und Folie. Bei 170°C erwärmen Sie die Folie ca. 15-20 Minuten.

    TIP: Da der Schmelzprozess von verschiedenen Faktoren (Kleber, Tinte, Motiv, Trockner) abhängt, können Temperaturen und Trockenzeiten variieren. Die optimale Verbindung von Drucktinte und Schmelzkleber erkennen Sie daran, dass das Motiv eine glänzende Oberfläche hat. Falls das noch nicht der Fall ist, erhitzen Sie die Folie noch etwas länger.


    Die Transferfolie ist nun bereit für die Übertragung auf das Material, kann aber auch bedenkenlos längere Zeit gelagert werden.
  1. Um das Motiv auf das Material zu transferieren, legen Sie den Stoff auf die Platte der Heizpresse und platzieren darauf die bedruckte Transferfolie. Achten Sie darauf, dass die bedruckte Seite der Folie auf dem Stoff liegt.
    TIP: Wir empfehlen Ihnen, auf die Folie ein Stück Backpapier zu legen und erst dann die Heizpresse zu schließen. Eventuelle Pulverreste des Schmelzklebers auf der Rückseite der Transferfolie könnten sonst mit der Heizplatte verkleben und beim Öffnen die Folie vorzeitig vom Stoff herunterreißen.

    Schließen Sie nun die Heizpresse und übertragen Sie das Motiv bei 140-150°C für 15-20 Sekunden auf das Material.

    Wenn die Folie abgekühlt ist, ziehen Sie sie vom Stoff ab – und somit sind Druck und Transfer abgeschlossen!
    HINWEIS: Falls Sie eine andere als die von ColorGATE angebotene Folie verwenden, beachten Sie bitte, dass dies auch eine Hot Peel Folie sein kann. Diese muss noch heiß vom Material abgezogen werden.

TIP: Falls Sie die Haptik des Druckmotivs noch weiter verbessern möchten, legen Sie ein anderes Textilstück (z.B. ein Geschirrtuch) auf das Motiv und pressen dann beides noch einmal für 5 Sekunden bei 140-150°C in der Heizpresse. Die Struktur des Textilstücks drückt sich in das Motiv und optimiert somit den haptischen Eindruck.

Falls Sie noch weitere Fragen zu DTF haben, wenden Sie sich einfach an uns unter contact@colorgate.com. Unsere DTF-Spezialisten helfen Ihnen gerne weiter!